Warum frühes Erkennen bei Mangelernährung alles verändert
Mangelernährung bedeutet nicht nur zu wenig Essen. Gemeint ist eine Unterversorgung mit Energie, Eiweiss und wichtigen Nährstoffen, die den Körper messbar schwächt. Das Risiko steigt besonders bei älteren Menschen, bei chronischen Erkrankungen, nach Operationen, bei Schluckstörungen, bei Krebs, bei Depressionen oder wenn das Einkaufen und Kochen mühsam wird.
Das Heimtückische daran ist der schleichende Verlauf. Viele Betroffene passen ihre Gewohnheiten an, essen kleinere Portionen oder lassen Mahlzeiten aus und sprechen nicht darüber. Gleichzeitig können Medikamente, Schmerzen, Übelkeit oder Einsamkeit den Appetit bremsen. Wer früh hinschaut, kann Komplikationen vermeiden und Kraft, Mobilität und Lebensqualität spürbar stabilisieren.
In Spitälern wird Mangelernährung heute häufig in den ersten Tagen routinemässig per Screening erfasst, zum Beispiel mit standardisierten Fragebögen. Im Alltag gelingt diese Früherkennung oft weniger gut, weil Warnzeichen übersehen werden oder weil unklar ist, worauf man achten soll. Genau hier hilft ein strukturierter Blick.
Typische Warnzeichen, die Sie ernst nehmen sollten
Mangelernährung zeigt sich selten nur über die Waage. Oft sind es kleine Veränderungen, die zusammen ein klares Bild ergeben. Wenn Sie mehrere Punkte wiedererkennen, lohnt sich ein professionelles Assessment.
Ungewollter Gewichtsverlust über Wochen oder Monate, auch wenn die Person scheinbar noch normal isst
Weniger Appetit oder frühes Sättigungsgefühl, verbunden mit deutlich kleineren Portionen
Schwäche und rasche Erschöpfung, etwa beim Treppensteigen, Duschen oder beim Gehen zur Tramhaltestelle
Abbau von Muskelkraft, zum Beispiel Schwierigkeiten beim Aufstehen aus dem Stuhl
Locker sitzende Kleidung, Ringe oder Uhren, die plötzlich rutschen
Häufiges Stolpern oder neue Unsicherheit beim Gehen, verbunden mit weniger Aktivität
Wunden, die schlecht heilen oder häufigere Infekte
Schluckprobleme, Husten beim Trinken oder Angst vor dem Essen
Veränderungen im Mund wie Schmerzen, schlecht sitzende Prothesen oder trockener Mund
Was Fachpersonen im Screening konkret prüfen
Professionelle Screenings kombinieren mehrere Bausteine. In vielen Einrichtungen gehört ein strukturiertes Vorgehen dazu, damit Mangelernährung nicht erst erkannt wird, wenn der Körper bereits stark abgebaut hat.
Ein sehr praktisches Instrument ist das Tellerdiagramm. Dabei wird dokumentiert, wie viel tatsächlich gegessen wurde. Das klingt banal, ist aber extrem aussagekräftig, weil nicht die Absicht zählt, sondern die reale Zufuhr über mehrere Mahlzeiten. Dazu kommen oft Gewicht und BMI sowie eine kurze Einschätzung, ob in letzter Zeit weniger gegessen wurde oder eine akute Erkrankung vorliegt.
Ergänzend achten Fachpersonen auf klinische Zeichen. Dazu gehören sichtbarer Verlust von subkutanem Fettgewebe, hervortretende Knochenkanten oder ein deutlicher Muskelschwund. Diese Beobachtungen sind besonders wichtig, wenn das Gewicht schwer interpretierbar ist, etwa bei Wassereinlagerungen.
Wenn ein Screening auffällig ist, folgt ein Ernährungsassessment. Dabei werden Essgewohnheiten, Gewichtsverlauf, Beschwerden, Begleiterkrankungen und die praktische Umsetzbarkeit im Alltag erfasst. Es geht also nicht nur um Nährwerte, sondern um die Frage, was zuhause tatsächlich gelingt.
Ein einfacher Wochencheck für zuhause, ohne Medizinjargon
Wenn Sie Angehörige sind oder selbst unsicher sind, hilft ein kurzer Check über sieben Tage. Sie müssen nichts perfekt messen. Ziel ist, Veränderungen sichtbar zu machen.
Gewicht einmal wöchentlich zur ähnlichen Tageszeit notieren
Portionen grob beobachten, besonders beim Mittagessen und Abendessen
Eiweiss täglich im Blick behalten, etwa Milchprodukte, Eier, Hülsenfrüchte, Fisch oder Fleisch
Trinken beobachten, weil zu wenig Flüssigkeit Appetit und Kreislauf verschlechtern kann
Kraft im Alltag einschätzen, etwa Aufstehen, Gehen, Treppen
Schlucken wahrnehmen, besonders Husten beim Trinken oder Vermeiden bestimmter Konsistenzen
Wenn Sie merken, dass sich über Tage immer wieder die Hälfte der Mahlzeit erledigt oder dass Kraft und Gewicht sinken, ist das ein gutes Signal für eine professionelle Abklärung.
Sarkopenie und Mangelernährung, wenn Muskelverlust mitspielt
Bei älteren Menschen ist nicht nur das Gewicht entscheidend, sondern vor allem die Muskelmasse und Muskelkraft. Muskelabbau erhöht das Risiko von Stürzen, Pflegebedürftigkeit und längeren Erholungsphasen nach Erkrankungen.
In der Praxis werden dafür spezifische Tests genutzt. Ein kurzer Fragebogen wie SARC-F kann Hinweise liefern, wenn die Punktzahl auffällig ist. Dazu kommt häufig eine Handkraftmessung, bei der niedrige Werte auf eingeschränkte Kraftreserven hindeuten. Sehr aussagekräftig ist auch ein einfacher Funktionstest, bei dem fünfmal vom Stuhl aufgestanden wird. Wenn das deutlich länger dauert, lohnt sich eine gezielte Intervention. Weitere Hinweise geben ein kleiner Wadenumfang oder eine langsamere Ganggeschwindigkeit.
Wichtig ist die Kombination aus Ernährung und Bewegung. Eiweiss allein hilft weniger, wenn keine aktivierende Mobilisation stattfindet. Umgekehrt kann Training ohne ausreichende Energie und Eiweiss den Körper zusätzlich belasten. Ein abgestimmter Plan aus Ernährungsberatung und Physiotherapie bringt meist den grössten Effekt.
Wann es schnell gehen muss, besonders beim Refeeding Risiko
Bei starkem Gewichtsverlust oder sehr geringer Nahrungsaufnahme über längere Zeit kann ein rasches Hochfahren der Ernährung heikel sein. Dann besteht ein Risiko für Stoffwechselentgleisungen, die medizinisch überwacht werden sollten. Gerade bei Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen, Essstörungen oder langer Unterversorgung ist eine sorgfältige Planung wichtig. Hier gehört das Vorgehen in erfahrene Hände, damit Aufbauernährung sicher gelingt.
Zürich hat gute Strukturen, wenn man sie richtig nutzt
In Zürich gibt es mehrere etablierte Angebote, die Screening und Therapie von Fehl- und Mangelernährungszuständen abdecken. In grossen Spitälern wird häufig bereits beim Eintritt gescreent, und bei Bedarf arbeiten Ernährungsberatung, Medizin, Pflege, Logopädie bei Schluckstörungen und weitere Fachpersonen zusammen. Je nach Situation kommen orale Aufbaukost, Trinknahrung oder künstliche Ernährung über Sonde oder Vene in Frage.
Für die Weiterbehandlung nach dem Spitalaufenthalt sind Rehabilitation und ambulante Angebote wichtig. In Zürich bieten unter anderem spezialisierte Ernährungsberatungen interdisziplinäre Abklärungen. Bei ärztlicher Verordnung wird die Ernährungsberatung in vielen Fällen von der Grundversicherung übernommen.
Bei Krebs kann eine gezielte Unterstützung besonders entlasten, weil Appetit, Geschmack und Verdauung stark schwanken können. Eine onkologische Ernährungsberatung hilft, Mahlzeiten bedürfnisorientiert zu planen und Gewichtsveränderungen früh aufzufangen.
Was sich 2026 im Spitalbereich ändert und warum das für Betroffene trotzdem wichtig bleibt
Ab 2026 verändert sich die Abbildung der Diagnose Mangelernährung in der SwissDRG Logik, wodurch die direkte finanzielle Relevanz in gewissen Bereichen sinkt. Für Patientinnen und Patienten bleibt der medizinische Nutzen der Diagnose jedoch unverändert. Mangelernährung beeinflusst Genesung, Mobilität, Komplikationsrisiko und Selbstständigkeit. Darum lohnt sich das klare Benennen und Behandeln weiterhin, sowohl im Spital als auch im Übergang nach Hause.
So unterstützt SwissCare Züri beim Erkennen und Handeln zuhause
Viele Probleme entstehen nicht aus fehlendem Willen, sondern aus fehlender Energie, Schmerzen oder Überforderung im Alltag. SwissCare Züri ist die herzliche, kompetente Alternative, wenn Sie zuhause eine verlässliche Struktur möchten. Wir beobachten nicht nur, ob gegessen wird, sondern wie gut es gelingt, was vertragen wird und welche Hürden es gibt.
Alltagsnahe Beobachtung von Portionsgrössen, Trinkmenge und Veränderungen über Tage
Unterstützung beim Einkauf und Kochen mit Fokus auf eiweiss- und energiereiche, gut essbare Mahlzeiten
Begleitung bei Schluckproblemen im Alltag und Koordination mit ärztlichen Stellen und Logopädie, wenn nötig
Aktivierende Unterstützung damit Kraft und Mobilität erhalten bleiben
Koordination mit Ernährungsberatung, Hausarztpraxis oder Spitex Zürich, wenn eine engere medizinische Begleitung sinnvoll ist
Wenn Sie unsicher sind, ob bereits eine Mangelernährung vorliegt, reicht oft ein gemeinsamer Start mit einer einfachen Beobachtungsphase. Daraus lässt sich schnell ableiten, ob eine Ernährungsberatung, ein medizinisches Assessment oder eine konkrete Aufbauernährung nötig ist.
Quellen
https://www.h-och.ch/krankheitsbilder/mangelernaehrung-malnutrition/
https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/78345/1/Tandjung_CME_Mangelern%C3%A4hrung_roesli_04-2013.pdf
https://www.stadt-zuerich.ch/stadtspital/de/leistungsangebot/ernaehrungsberatung.html
https://www.sgaim.ch/de/themen/swissdrg-blog/20-mangelernaehrung
https://www.hirslanden.ch/de/klinik-hirslanden/centers/ernaehrungstherapie/leistung.html
Wenn Sie Warnzeichen sehen oder einfach Sicherheit möchten, begleitet SwissCare Züri Sie mit wachem Blick, alltagstauglicher Unterstützung und einer Lösung, die zuhause wirklich funktioniert.
